{"id":4995,"date":"2013-08-04T13:07:03","date_gmt":"2013-08-04T10:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/efk.epcc.ee\/2013\/08\/festival-europaische-kirchenmusik-estnischer-philharmonischer-kammerchor-sang-im-munster-2\/"},"modified":"2013-08-04T13:07:03","modified_gmt":"2013-08-04T10:07:03","slug":"festival-europaische-kirchenmusik-estnischer-philharmonischer-kammerchor-sang-im-munster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/efk.epcc.ee\/en\/2013\/08\/festival-europaische-kirchenmusik-estnischer-philharmonischer-kammerchor-sang-im-munster\/","title":{"rendered":"Festival Europ\u00e4ische Kirchenmusik: Estnischer Philharmonischer Kammerchor sang im M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p>Das letzte Konzert der diesj\u00e4hrigen EKM war ein bemerkenswertes Finale: Zum zweiten Mal gastierte nach 2000 (damals unter seinem Gr\u00fcnder T\u00f5nu Kaljuste) der Estnische Philharmonische Kammerchor (EPCC) unter Leitung von Daniel Reuss \u2013 1961 geboren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EKM. Es wird sicher ein gro\u00dfer Gewinn sein, wenn er im n\u00e4chsten Jahr einen Meisterkurs Chorleitung geben wird. Bereits im K\u00fcnstlergespr\u00e4ch mit KMD Sonntraud Engels-Benz konnte man einen lebendigen Eindruck gewinnen von der Pers\u00f6nlichkeit des Dirigenten mit seinen so gar nicht diplomatischen Einsch\u00e4tzungen, mit der realistischen Darstellung seiner eigenen Arbeit und den Schilderungen der politischen, k\u00fcnstlerischen und menschlichen Bedingungen der Chorarbeit mit seinen bisherigen Ensembles. Bedenkt man nur, dass sein Estnischer Kammerchor bis vor kurzem zwei Monate lang sein Geld als Opernchor verdienen musste, zeigt das die Probleme grunds\u00e4tzlich auf als auch hinsichtlich der nun v\u00f6lligen Umorientierung zum A-cappella-Singen von fast zwei Stunden Dauer im Heilig-Kreuz-M\u00fcnster.<br \/>\nReuss ist ein Mann der gekonnten Mitte aus N\u00e4he und Distanz. Er will zu Recht nicht nur Arvo P\u00e4rt singen (lassen), dennoch aber das estnische Erbe pflegen. Mit Alfred Schnittke und Cyrillus Kreek konnte man wie bei P\u00e4rt oder sp\u00e4ter Sergej Rachmaninow die Tiefe einer geistlichen Musik aus der Intuition eines frommen Habitus erleben. Dass sich die Musizierenden einschlie\u00dflich ihres begabten Leiters vorbehaltlos daf\u00fcr in Dienst nehmen lie\u00dfen, macht die Gr\u00f6\u00dfe des Abends aus. Reuss ist ein agiler Dompteur, der mit pr\u00e4ziser Gestik und ansteckender Mimik alle Intentionen zwingend vorgibt. Zugleich ist er ein Klangmagier, dem es gelingt, ein Espressivo zu \u201ezaubern\u201c, bet\u00f6rend und zu Herzen gehend. Auch die verschiedenen Soli und ein Soloquartett sind \u00e4sthetisch vollkommen eingebunden.<br \/>\nWer bei dem relativ knapp komponierten Magnificat P\u00e4rts oder den geistlichen Ges\u00e4ngen Schnittkes und den Psalmen Kreeks noch distanziert zugeh\u00f6rt haben mag, konnte sich bei Rachmaninow der Suggestion des gro\u00dfen Abend\u2013 und Morgenlobs nicht mehr entziehen. Was dort in 15 Beitr\u00e4gen des Lobpreises, der Psalmen, Betrachtungen, des \u201eNunc dimittis\u201c des greisen Simeon, die verschiedenen Weisen des Marienlobes, des Gloria bis zum Osterjubel an Gotteslob erklingt, ist zugleich ein umfassendes Durchmessen der ganzen Heilsgeschichte mit aufgegipfelter Doxologie! Wie Reuss die dynamische Differenzierung pflegt, die Artikulation und Phrasierung, das dezente Abebben der Zeilenenden, das alles ist derart musikantisch und verr\u00e4t die permanente geistige Pr\u00e4senz, die der Chorleiter auf den Chor \u00fcbertr\u00e4gt \u2014 ein in jeder Weise sp\u00fcrbarer Kraftakt, der das Letzte einfordert, damit aber jene Tiefe des Herzens erreicht, ohne die jene Ostliturgie in ihrer verschiedenen Auspr\u00e4gung nicht denkbar ist.<br \/>\nDie Merkmale: Innigkeit, frischer Jubel, Dominanz der Themen, schwebendes Wiegen, dynamische Weite. Wunderbar die Soli, die \u201eschwarzen\u201c B\u00e4sse, die klangliche Einheit.<br \/>\nSelbst das Martinshorn best\u00e4tigt in Nr. 4 nur: \u201eDa wir zum Untergang der Sonne kommen \u2026\u201c.<br \/>\nIm pers\u00f6nlichen Eingebundensein der westlichen Liturgie(formen) k\u00f6nnte Wehmut aufkommen angesichts solcher kindlichen Versenkung in epischer Breite. Auch das machte das hinrei\u00dfende Konzert deutlich, was den \u201eGeist der Liturgie\u201c ausmacht. Die Spannung, Spannweite und dynamische Kraft zeigten in der Zugabe den anderen Pol solches K\u00f6nnens: die Zartheit im \u201eLiebeslied\u201c, das den Zuh\u00f6rern f\u00fcr ihren begeisterten Beifall geschenkt wurde.<br \/>\nDaniel Reuss hat ein Zeichen gesetzt: wie man a cappella eigentlich zu singen hat! Nicht akademisch, sondern im differenzierten Vollblutmusizieren \u2014 oder man lasse es einfach sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das letzte Konzert der diesj\u00e4hrigen EKM war ein bemerkenswertes Finale: Zum zweiten Mal gastierte nach 2000 (damals unter seinem Gr\u00fcnder T\u00f5nu Kaljuste) der Estnische Philharmonische Kammerchor (EPCC) unter Leitung von Daniel Reuss \u2013 1961 geboren. &nbsp; EKM. Es wird sicher ein gro\u00dfer Gewinn sein, wenn er im n\u00e4chsten Jahr einen Meisterkurs Chorleitung geben wird. 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